Es
fühlt sich an als würde meine Welt zusammenbrechen. Ich liege in
meinem Bett, eingerollt in Decken, versteckt unter Kissen, ein
Stofftier im Arm das ich so fest an mich drücke, als würde ich es
zerquetschen wollen. Eigentlich habe ich versucht zu schlafen, aber
es geht einfach nicht. Nach den vielen Monaten die vergangen sind,
seit ich dich das letzte Mal sah, ist der Schmerz immer noch so
stark, so präsent. Eine Träne läuft quer über mein Gesicht,
streicht über meinen Mund. Das Salz schmeckt so wie all die alten
Wunden, die die Erinnerung und der Gedanke an dich wieder aufgerissen
haben. Ich habe längst die Hoffnung aufgegeben, dass sie jemals
heilen werden. Nur ein anderer könnte mich je retten, doch wäre es
fair, einem anderen Menschen diese Last aufzubürden? Nein. Ich weiß
nicht mehr was ich tun soll. Hab doch alles versucht – all die
Filme gesehen, all die Dinge getan, die helfen sollten. Deine
Lieblingsalben aus dem CD-Regal verbannt. Kontakt zu all jenen, die
mit dir zu tun haben, abgebrochen. Hab doch mein Leben für dich
aufgegeben, für nichts, nichts, nichts.
Tage
später hab ich mich wieder aufgerafft. Diese Rückfälle kommen
immer so unerwartet, dass man nie genug Wodka und Zigaretten im Haus
hat. Rauche ohnehin viel zu viel seit du weg bist. Sie sagen 'Raucher
sterben früher' aber sterben nicht auch die zu früh, die lieben?
Verzweifelt, leidenschaftlich, unglücklich lieben? Sterben sie nicht
auch aus Liebe, weil diese sie um den Verstand bringt, sie das Leben
kostet? Und ist es dann nicht vollkommen egal, ob es nun das Nikotin
war, das dein Inneres zerstörte, oder jene zerreißenden Gedanken?
Bin
jetzt in der Stadt. Vorhin hat es geregnet, der Asphalt glänzt im
schwachen Sonnenlicht. Es kommt mir immer so falsch vor, wenn die
Sonne draußen scheint, aber in mir herrscht Sturm, Dunkelheit und
Kälte. Da ist dieser heruntergekommene Kiosk, in dem es Tabakwaren
und Spirituosen gibt, egal wie du aussiehst, woher du kommst und vor
allem wie alt du bist. Ich schätze, das Vermissen hat mich ohnehin
so zermürbt, dass ich um Jahre gealtert aussehe. Der Kioskbesitzer
hinter der Ladentheke hat trübe Augen. All die Jahre haben seinen
Blick verschwommen gemacht, rastlos, und dennoch unaufhaltsam; oder
hat er auch einst geliebt und verloren? Ich weiß es nicht. Es
interessiert mich nicht. Hab mein Interesse für die Welt und das
Leben verloren, seit dem Tag, an dem dein Blick meinem auswich und
den ihren einfing.
Ich
stopfe den Tequila in meine Tasche, die Zigarettenschachtel ist schon
ganz zerdrückt. Ich nehme mir eine zerknautschte Zigarette, zünde
sie an, scheitere. Erst beim vierten Versuch klappt es. Der Regen hat
wieder eingesetzt. Ich stülpe die Kapuze der alten, abgewetzten
Trainingsjacke über meinen Kopf. Es ist kalt. Ich habe meinen Schal
zuhause vergessen. Zuhause? Ich hab eigentlich keines mehr. Bin
selten dort, wo ich früher immer war, treibe mich eher irgendwo
herum, mit jenen zwielichtigen Menschen, die sich bereits ihr ganzes
Leben ruiniert haben. Die süchtig sind. Nach Freiheit und Glück und
Liebe. Dies nicht bekommen. Diese Drogen ersetzen müssen durch
Heroin, durch Crystal Meth, durch Koks. Durch Kiffen, wenn sie eben
erst angefangen hatten, langsam zu sterben. Wir leben in einer
heruntergekommenen Gesellschaft. Niemanden schert es mehr, wie es dem
Anderen geht. Alles was zählt sind Geld und Ruhm. Dass der gute Ruf
erhalten bleibt. Schon merkwürdig, wie die Zeit einen verändert.
Ich habe mal an eine gute Welt geglaubt. Damals, als ich noch
glaubte, Liebe würde existieren. Als ich noch nicht wusste, dass
jeder von uns ganz allein ist. Dass keiner den anderen versteht. Da
wo dieser Glaube war, ist nur noch unglaublich großer Schmerz. Ein
schwarzes, riesiges, klaffendes Loch, das seine Farbe verliert, aber
nicht seine Bedeutung.
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