Das nunmehr sechste Studioalbum der schwedischen Rockband ist zugleich das erste Album mit schwedischem Gesang. Dies ist allerdings nicht die einzige Besonderheit: Alle Songtexte sind Gedichte aus der Feder des schwedischen Lyrikers Gustaf Fröding und wurden ihm zu Ehren - der Anlass dazu sein 100. Todetag - vertont. Was für den einen unverständlich und sinnlos klingt, ist für die anderen wahre Kunst - und das ist es wirklich. Nach dem Musikprojekt 'Caligola' der beiden Frontmänner Björn Dixgård und Gustaf Norén, welches sich eher an der gängigen Popmusik orientierte, hätte man wohl kaum ein solches Meisterwerk erwartet. Erfahrungsgemäß sind gefallen die älteren Alben dem wahren Fanpublikum meist besser als die neuen, da sich die Musiker häufig in ihrer Individualität verlieren. Doch dieses Album fällt aus der Kategorie. Der Titel "Infruset" heißt übersetzt so viel wie 'eingefroren', doch das Album handelt hauptsächlich von Gustaf Fröding's Kindheit in Schweden. Die Gedichte enthalten sehr detaillierte Schilderungen seiner Umgebung und der Landschaft, seinen Gefühlen und vor allem der Beziehung zu seinem Vater und seinem Bild von ihm. Auch an Poesie fehlt es nicht, so gibt es zum beispiel Neologismen (Wortneuschöpfungen) wie "Kärlekens kind är röd" was so viel bedeutet wie "Das Kind der Liebe ist rot".
Was besonders gefällt sind diese Texte. Man kann wahrhaftig nicht sagen, dass Mando Diao jemals schlechte Songtexte geschrieben haben, so nahmen sie beispielsweise zu vielen politischen Themen Stellung, hatten aber auch teilweise brutale und gesellschaftskritische Songtexte wie "To Chine With Love". Doch die Gedichte von Gustaf Fröding sind von einem anderen Kaliber. Mit ihnen zeigen die schwedischen Jungs ihre Naturverbundenheit und die Liebe zur Heimat. Auch das Booklet ist viel persönlicher und intimer gestaltet. Man scheint die Band besser kennenzulernen und zu verstehen.
Kürzlich las ich einen Tweet darüber, dass das neue Album so depressiv sei. Zum Teil ist das wahr, die Texte sind tatsächlich größtenteils sehr nachdenklich und manchmal auch traurig, aber ich vermute, dass dieser Twitterer nicht ganz genau hingehört hat. Denn Gustaf Fröding beschreibt auch die Schönheit der Natur Schwedens, und dies äußerst genau. Natürlich hat es den Anschein, als sei das Album durch und durch von einem Depressiven geschrieben worden, da die Melodien meist in moll und eher tief sind. Was gerechtfertigt ist, da der Dichter schwerwiegende Alkohol- und psychische Probleme hatte.
Mein Fazit lautet jedoch, dass es wohl nie ein besseres Album der überwiegend aus Borlänge, Dalarna stammenden Männer gab. Man kann natürlich nicht wissen, ob das nächste Album alles übertrumpft, doch es ist für ein sechstes Album wirklich sehr gelungen. Bevor ich jetzt noch mehr Lobeshymnen anstimme, empfehle ich euch, selbst einmal reinzuhören - und für den Fall, dass euch gefällt was ihr hört, es auch zu kaufen.
Hier reinhören in "Infruset"
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