Dienstag, 21. August 2012

Sometimes.

Es war eiskalt draußen in den Straßen. Im schwachen Licht einer Laterne ging ein schmales Mädchen, in einen schwazen Mantel gehüllt. Ihre hohen Schuhe klackerten bei jedem Schritt auf dem Kopfsteinpflaster. Sie stieß die alte Holztür zu dem verrauchten Pub auf und trat ein. Der Wirt, der hinter der Bar Biergläser polierte, rief ihr zu "Was darf's sein?" Sie bestellte ein Bier und verzog sich in ein dunkles Eck. Etwa eine halbe Stunde später verließ sie das Pub wieder. Der Wirt schaute ihr verwundert hinterher. "Charlie, haste die hier schon mal gesehen?" Charlie grunzte zur Antwort. Er hatte das Mädchen in seinem trunkenen Zustand nicht bemerkt. Draußen regnete es, die Gassen glänzten im Laternenschein, und das Mädchen lief weiter. Sie war neu. Neu im Geschäft. Doch bald würden sie alle kennen. Sie arbeitete mit Menschen. Mit Menschen, die ihr Leben zerstörten. Mit Menschen, die so waren wie sie nun war. Arm, einsam und süchtig. Süchtig nach Nähe. Süchtig nach Rausch. Süchtig nach Drogen. Sie war Dealerin. Drogendealerin.War sie tatsächlich einmal berauscht gewesen ohne die Droge, berauscht vom Leben? Unvorstellbar. Sie konnte nicht wirklich sagen, dass sie war, wo sie immer hinwollte. Aber sie wusste auch nicht, wo das war. Ein heller, freundlicher Ort vielleicht. Mit Menschen, die sie ihretwegen und nicht des Stoffs wegen brauchten. Die sie liebten. Aber Liebe, was war das schon? Sie glaubte nicht an die Existenz von Liebe. Sie glaubte nur an Dinge mit handfesten Beweisen. Doch wenn sie drauf war, sah die Welt ganz anders aus. So, wie sie sich die Welt als kleines Mädchen immer erträumt hatte. Bevor ihr Vater die Familie verließ und ihre Mutter zur Flasche griff. Damals war die Welt noch hell und bunt, nicht schwarz, grau und schmutzig. Deswegen brauchte sie das Heroin. Um sich ihre verlorene Kindheit zurückzuholen. Um ein bisschen Glück zu spüren. Falls das Glück war. Sie wusste nicht, was Glück war. Sie hatte keine Beweise. Sie glaubte, dass es ein wenig war wie purer Wodka, der einen von innen wärmte. Ja, so musste sich Glück anfühlen. Und sie glaubte, es gefunden zu haben. Irgendwo.

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